MPU – wofür steht die MPU und was sind die wichtigsten Infos, die wir wissen sollten?

MPU – wofür steht die MPU und was sind die wichtigsten Infos, die wir wissen sollten?

MPU steht als Abkürzung für die Medizinisch-Psychologische Untersuchung und begutachtet die Fahreignung eines Fahrzeughalters. Damit wird geprüft, ob ihm die Fahrerlaubnis entzogen oder neu erteilt werden kann, indem die körperliche, geistige und persönliche Fahreignung geprüft und begutachtet wird. Die MPU wird in Deutschland als bedeutendes Element zur Steigerung der Verkehrssicherheit angesehen. Der Entzug des Führerscheins, die damit herbeigeführte Erlöschung der Fahrerlaubnis und die daraus resultierende MPU, umgangssprachlich auch „Idiotentest“ genannt, kann mehrere Ursachen haben.

Die häufigste Ursache ist das Fahren unter Alkoholeinfluss mit erstmaliger Auffälligkeit. Hier gilt die Promillegrenze von 1,6 oder mehr (Achtung! Dies gilt auch auf dem Fahrrad). Das machen ganze 58% der MPU-Fälle aus (Quelle: BASt, 2007). Als zweithäufigste Ursache gelten die Fahrer, die unter Drogen- und Medikamenteneinfluss fahren oder außerhalb des Kraftfahrzeugs gegen das Betäubungs- oder Arzneimittelgesetz verstoßen haben (Drogendelikte oder Drogenmissbrauch). Hier sind es laut BASt ganze 18%. An dritter Stelle stehen die Fahrzeughalter, die wiederholt mit Alkohol am Steuer erwischt werden (17%). Es folgen verkehrsauffällige Straßenverkehrsteilnehmer ohne Alkoholkonsum, kurz danach die Alkohol-, verkehrs- oder strafrechtlichen Delikte (hierzu zählen auch Fahrzeughalter, die mehr als 17 Punkte in Flensburg beim Verkehrszentralregister vorweisen können, besonders schwerwiegende Verkehrsverstöße oder aber aggressive Auffälligkeiten und geringe oder auch schwankende Impulskontrolle), und zum Schluss die sonstigen Anlässe und körperlichen Mängel. Auch kann ein Gutachten bei Jugendlichen, die ihren Führerschein bereits mit 16 Jahren gemacht haben, eingeholt werden. Ebenso ist das häufig bei Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen der Fall, dass eine MPU gemacht wird und der Fahrzeughalter auf Fahrtauglichkeit getestet wird.

In Deutschland gibt es die MPU seit 1954, wohingegen in vielen europäischen Ländern beträchtliche Strafen üblich sind, die jedoch wenig Einfluss auf das zukünftige Fahrverhalten haben. Die MPU soll dafür sorgen, dass sich der Antragsteller mit den Ursachen seines Verhaltens und seiner Einstellung gegenüber des Fahrens auseinandersetzt und diese für die Zukunft ändert und vor allem Verkehrsauffälligkeiten einsieht und lernt, diese zu vermeiden. Bei positivem Gutachten, wird dem Fahrzeughalter seine Fahrerlaubnis neu erteilt, er erhält jedoch einen Vermerk in der Führerscheinakte und dem Verkehrszentralregister. Um ein positives Gutachten zu erhalten, müssen folgende Kriterien erfüllt werden: Beachtung der Begutachtungs-Leitlinien sowie gesetzlicher Vorgaben, logische Ordnung, Kriterien zur Beurteilung der Kraftfahrereignung, Widerspruchsfreiheit sowie wissenschaftliche Nachprüfbarkeit. Bei Nichterfüllen dieser Kriterien, instabilem Verhalten des Fahrzeughalters oder bei begründeten Zweifeln kann dem Antragsteller das Ausstellen eines positiven Gutachtens verwehrt bleiben.

Als Anlaufstelle zur Vorbereitung, Beratung und für Informationen rund um das Thema MPU helfen einem die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) oder die amtlich anerkannten MPU-Stellen. Hier kann man sich über den Ablauf der MPU informieren und erhält Ratschläge zum Verhalten, jedoch ist eine individuelle Beratung untersagt und man sollte von unseriösen Anbietern dieser Beratung absehen. Ob eine Beratungsstelle vertrauenswürdig ist, kann man schon allein daran erkennen, dass das Erstgespräch grundsätzlich kostenlos ist. Jede weitere Stunde kostet je nach Beratungsstelle und Qualifikation des Beraters zwischen 80 und 150 Euro. Auch spielt hier der Standort (Großstadt oder ländliches Gebiet) eine große preisliche Rolle. Ebenso sollte Sie eine Geld-zurück-Garantie stutzig machen. Kreditangebote, um die MPU finanzieren zu können und gleichzeitige Beratungen wirken ebenso unseriös wie die Beratung in Hotellobbys oder Privaträumen. Die Beratung wird nur in den seltensten Fällen von den Krankenkassen übernommen. Die meisten Berater seriöser Beratungsstellen zeichnen sich durch ihren Abschluss aus – akademisch ausgebildete verkehrspsychologische Berater oder Diplompsychologen beispielsweise unterliegen strikten Fortbildungsverpflichtungen, viele MPU-Berater hingegen nicht. Außerdem werben seriöse Institutionen nicht mit Erfolgsquoten. Die Qualitätssicherung erfolgt immer über neutrale Stellen. Berater und Gutachter sind nie ein und dieselbe Person. Eine seriöse Beratungsstelle würde niemals mit dem negativen Begriff „Idiotentest“ werben. Welche verkehrspsychologischen Berater und MPU-Beratungsstellen seriös sind, führt der Berufsverband Dt. Psychologinnen und Psychologen e.V. in Registern auf.

Es ist sehr sinnvoll, diese Beratungen zu nutzen, da sie eine nützliche Vorbereitung auf die MPU sind und in Fällen wie zum Beispiel des Führerscheinentzugs durch Alkoholkonsum zur Verkürzung der Sperrdauer um bis zu zwei Monate führen kann.

Ebenso kann man sich Hilfe bei einer Online-Selbsthilfegruppe im Internet suchen. Es gibt einige unabhängige Foren, in denen sich Betroffene über ihre persönlichen Erfahrungen austauschen können und sich gegenseitig durch Tipps und Ratschläge helfen. Beispielsweise erzählen Betroffene, die bereits eine MPU absolviert haben, ihre Erfahrungen darüber und können einem Antragsteller, der die MPU noch vor sich hat, so die Angst davor nehmen. Ausgetauscht werden hier auch Erfahrungen mit den einzelnen Beratungsstellen und dem dortigen Kundenservice. Das kann bei der Suche nach der richtigen Beratungsstelle helfen. Engagierte Verkehrspsychologen sind auch oft online unterwegs und helfen zum Thema Verbraucherschutz, wo sie können.

In Deutschland gibt es 13 anerkannte Stellen für die Begutachtung der Fahreignung, welche alle regelmäßigen Kontrollen über die Qualitätsstandards unterlaufen. Diese betrifft beispielsweise die Schweigepflicht, die Neutralität und die Objektivität der Gutachter. Außerdem müssen ausreichend fachliches Personal wie Psychologen und Ärzte sowie sachliche und räumliche Ausstattungen vorhanden sein. Damit ein Gutachten nicht falsch ausgestellt werden kann, werden die Gutachter in Stichproben in regelmäßigen Abständen überprüft und auf die Standards wie zum Beispiel die Beurteilungskriterien hin überprüft. Im Internet findet man schnell heraus, welche Gutachter anerkannte Organisationen sind.

Die MPU dauert im Normalfall drei bis vier Stunden. Bis zur Ausstellung des Gutachtens vergehen in der Regel bis zu 14 Tage. Aufgebaut ist die MPU in folgende drei Teile:
Bei der ärztlichen Untersuchung wird der Antragsteller durch Blutabnahme und/oder Urintests und Haaranalysen auf Alkohol- sowie Drogenmissbrauch hin untersucht. Spuren eines Drogenkonsums lassen sich auch noch Monate später nachweisen. Hierbei ist zu beachten, dass der Fahrzeughalter mindestens sechs Monate drogenfrei sein muss, um diese Untersuchung erfolgreichzu bestehen.

Im psychologischen Gespräch werden die Ursachen und Konsequenzen für früheres Fehlverhalten analysiert und im besten Fall eine Einsicht des Fahrzeughalters herbeigeführt, um erneute Auffälligkeiten erfolgreich zu verhindern. Das zukünftige Verhalten muss zu diesem Zeitpunkt seit mindestens sechs Monaten bestehen (zum Beispiel sechs Monate drogenfrei). Hierbei wird das Gespräch digital aufgezeichnet. Der Glaube, man müsste bei der MPU den sogenannten „Kugeltest“ bestehen, indem man zwei Kugeln aufeinander stellen muss und durchfällt, sobald man eine der beiden Kugeln nur berührt, ist falsch. Der Antragsteller wird auch nicht mit vorgefertigten Fragen konfrontiert, sondern erhält auf ihn passende und individuelle Fragen zu Konsumverhalten, Glaubwürdigkeit und seiner Problematik hin.

Bei der Testdiagnostik werden Konzentration, Belastbarkeit, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit am Computer getestet. Im Zweifelsfall kann dieser Test während des praktischen Fahrens wiederholt überprüft werden.

Die Kosten der MPU variieren je nach Ursache, die zum Entzug des Führerscheins geführt hat, und der damit verbundenen Untersuchungsgebühren und Aufwand der Fragestellungen während der MPU. Bei Alkohol- und Drogenuntersuchungen betragen die Kosten 338 Euro netto. Jedoch kann sich die Gebühr bei kombinierten Fragestellungen nochmals erhöhen. Am teuersten sind Drogenuntersuchungen. Insgesamt kann man bei der MPU mit Kosten von über 500 Euro rechnen.

Es ist belegt, dass die Wirksamkeit der MPU erfolgreich ist und die Verkehrssicherheit dadurch erhöht wurde. Die Rückfallquote bei einer Beratung während der Sperrfrist ist deutlich reduziert.
Berufskraftfahrer der Klassen D(1), D(1)E oder Fahrer mit einem Führerschein für die Personenbeförderung sind alle 5 Jahre verpflichtet nach Vollendung des 50. Lebensjahres eine MPU abzuleisten.

Laut einer Umfrage, die 2014 gemacht wurde, sehen 79% der Deutschen die MPU als sinnvoll an. Überraschenderweise stimmen 83 Prozent der 18- bis 29-Jährigen der MPU zu.

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